Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Das Ja-Komitee aus sechs Parteien: Grüne Prowil, FDP, EVP, SP, GLP und Die Mitte.
Die Wiler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger stimmen am 29. November über den 64-Millionen-Kredit für die Umgestaltung des Wiler Bahnhofplatzes ab. Ein überparteiliches Ja-Komitee aus sechs Parteien setzt sich für die Empfehlung des Stadtrats ein, einzig die SVP empfiehlt eine Ablehnung.
Wil Die Mitte, EVP, FDP, GLP, Grüne Prowil und SP haben sich zu einem überparteilichen Ja-Komitee formiert. Die sechs Parteien setzen sich geschlossen für den 64-Millionen-Kredit für das geplante Bahnhofsprojekt ein. Das Komitee betont in seiner Mitteilung: «Als Herzstück des Wiler Agglomerationsprogramms schafft die Modernisierung des Bahnhofs die Grundlage für die Umsetzung des Mobilitätskonzepts von WilWest.» Der Bahnhof Wil sei die zentrale Verkehrsdrehscheibe einer Region mit über 130'000 Einwohnenden und müsse zukünftig den Hauptanteil jener 65 Prozent an umweltfreundlicher Mobilität auffangen, die für die neuen Arbeitsplätze in Wil West vorgeschrieben seien.
Die sechs Parteien sind sich einig: «Der heutige Bushof ist zu eng, die Verkehrswege sind unübersichtlich, gefährlich und die gesetzlichen Anforderungen an die Hindernisfreiheit werden nicht erfüllt.» In ihrem gemeinsamen Schreiben betonen sie die Wichtigkeit von Barrierefreiheit und der Schaffung von ausreichenden Platzverhältnissen mit mehr Haltekanten und mehr Veloparkplätzen. Auch die Allee als Verbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt solle eine Aufwertung erhalten. Dabei gehe es unter anderem um das mangelnde Sicherheitsgefühl der Bevölkerung: «Die Neugestaltung biete die Chance, mit übersichtlicheren Wegen, geeigneter Beleuchtung und attraktiven Aufenthaltsbereichen gegenzusteuern», argumentiert das Ja-Komitee. Sie gehen ausserdem auf entstehende Möglichkeiten durch Privatinvestoren wie SBB, Migros und Post ein. Bei einem Baukredit von knapp 64 Millionen Franken, einem erwarteten Stadtanteil von rund 33 Millionen Franken und geplanten Drittinvestitionen von bis zu 200 Millionen Franken im Bahnhofsumfeld gehe es um weit mehr als einen neuen Bushof.»
Die SVP Stadt Wil lehnt das vorliegende Projekt Bahnhofplatz und Allee ab. «Nicht, weil sie gegen einen attraktiven und funktionierenden Bahnhof ist, sondern weil das Projekt in seiner heutigen Form überdimensioniert, zu teuer und angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt Wil nicht zu verantworten ist», schreibt die Ortspartei in einer aktuellen Mitteilung. Die Stadt diskutiere aktuell über Sparmassnahmen, Leistungsabbau und den Verzicht auf wünschbare Angebote. Umso erstaunlicher sei es für die SVP, dass ein Bahnhofsprojekt mit Gesamtkosten von rund 64 Millionen Franken als völlig alternativlos dargestellt wird. Besonders kritisch beurteilt die SVP die geplante unterirdische Velostation mit rund 1100 Abstellplätzen. Mit der bereits eröffneten Velostation Perronimo am Gleis 1 verfügte Wil über eine moderne Anlage, die bei entsprechendem Ausbau Platz für bis zu 900 Velos biete, argumentiert die Partei in ihrem Schreiben. Trotz der bestehenden Infrastruktur wolle man nun für über 17 Millionen Franken eine weitere unterirdische Velostation bauen, was über 15’000 Franken pro zusätzlichem Veloabstellplatz entspreche. Die Partei hinterfragt, ob der Bedarf einer solchen Anlage ausreichend ausgewiesen werden kann.
Die Befürworter betonen, dass bei dem Thema Velostationen oft ein entscheidender Punkt vergessen werde: «Es geht nicht einfach um zusätzliche Veloparkplätze, sondern um den Platz, den der neue Bahnhof an der Oberfläche braucht. Heute befinden sich rund 480 oberirdische Veloabstellplätze auf Flächen, die künftig für den Bushof, sichere Fusswege und übersichtliche Verkehrsverbindungen benötigt werden.» Für 2039 werde gemäss Hochrechnungen der SBB mit einem Bedarf von rund 1300 Abstellplätzen gerechnet. Die Kosten von rund 17 Millionen Franken seien zwar beträchtlich. Der grösste Teil entfalle allerdings nicht auf Veloständer, sondern auf das unterirdische Bauwerk.
Neben der Velostation zweifelt die SVP auch an der Notwendigkeit der geplanten 20 Haltekanten. Mit dem angedachten Mobilitätshub mit Velowerkstatt, Velovermietung und Ersatzteilverkauf konkurriere die Stadt ausserdem private Velogeschäfte. Dazu komme, dass die bisherige Betriebsplanung jährliche Kosten von rund 428’000 Franken bei erwarteten Einnahmen von 390’000 Franken vorsehe. «Es kann nicht sein, dass bei bestehenden Leistungen jeder Franken hinterfragt wird, während bei neuen Grossprojekten plötzlich ganz andere Massstäbe gelten», heisst es von der SVP Stadt Wil. Der Hinweis auf Beiträge von Bund und Kanton ändere daran nichts - Fördergelder würden ein überdimensioniertes Projekt nicht automatisch wirtschaftlich machen. Die Partei fordert vom Stadtrat eine klare Priorisierung: Sie sei überzeugt, dass eine funktionale und attraktive Aufwertung des Bahnhofgebiets auch mit einem deutlich schlankeren Projekt möglich sein müsse.
Linda Bachmann
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