Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Sterbebegleitung bedeutet vor allem eines: da sein. Im Gespräch gibt Béatrice Burgener Einblick in eine Aufgabe, die Nähe, Verlässlichkeit sowie Zeit verlangt und immer seltener übernommen wird.
Uzwil «Ich denke, dass Menschen in jeder Lebensphase – einschliesslich in der des Sterbens – das Recht haben, es möglichst gut zu haben», sagt Béatrice Burgener. Damit auch der Tod so angenehm wie möglich verläuft, setzt sich die pensionierte Aktivierungsfachfrau seit drei Jahren als Leiterin der Hospizgruppe Region Uzwil ein. «Man kennt uns leider viel zu wenig», bedauert sie. Durch die niedrige öffentliche Wahrnehmung fällt es der Hospizgruppe zunehmend schwer, neue Freiwillige zu finden. «Aktuell sind wir zu viert», so die Leiterin. Vergangenes Jahr seien gleich drei Personen aus der Gruppe ausgestiegen. Um die ganze Region gut abdecken zu können, wäre eine Ergänzung des Teams um zwei Personen ideal. Es sei nicht nur bei der Hospizgruppe schwieriger geworden, Freiwillige zu finden, betont Béatrice Burgener. «Bei uns sind jedoch vor allem die unregelmässigen Einsätze und das Thema Tod eine Herausforderung.» So könne sie potenziellen Interessenten nicht sagen, wie oft sie gebraucht werden. «Es kann sein, dass unsere Dienste einen Monat nicht gebucht werden. Dafür ein anderes Mal für eine Woche tägliche Einsätze gefragt sind», erklärt Burgener. «Unsere Dienste bieten wir 24 Stunden, sieben Tage die Woche an», so die Leiterin. Es seien somit auch Nachtdienste möglich.
Angeschlossen ist die Hospizgruppe der Spitex Region Uzwil. So komme es sehr oft vor, dass der Erstkontakt mit Sterbenden und deren Angehörigen durch die Spitex erfolge. «Wir wirken in Institutionen wie Altersheimen, Behinderteneinrichtungen, Spitälern und auch privat bei Leuten zu Hause», erklärt Béatrice Burgener. In seltenen Fällen würden die Angehörigen und noch seltener die Sterbenden selbst auf die Hospizgruppe zugehen. «Wir begleiten Sterbende und entlasten ihre Angehörigen wie auch das Pflegepersonal, verrichten aber keine medizinischen Arbeiten», betont sie. Die Freiwilligen benötigten keine medizinische Ausbildung. «Unsere Aufgabe ist es, vor allem da zu sein, zuzuhören und auch die Stille auszuhalten», so Burgener.
«Wer sich dafür entscheidet, der Hospizgruppe Region Uzwil beizutreten, der wird einen Kurs bei Palliativ Ostschweiz absolvieren», beschreibt die Leiterin den Ausbildungsprozess. «Dort lernen die Freiwilligen, dass es bei der Arbeit um das Gegenüber geht und die Situationen so anzunehmen, wie sie sind», sagt Burgener. Zudem lerne man die Anzeichen des Sterbens kennen. «An der Atmung ist dies oft gut zu erkennen. Auch bläuliche Flecken bei den Extremitäten, einen schwächeren oder unregelmässigen Puls sowie der allgemeine Rückzug sind Anzeichen, dass es bald zu Ende geht.» Obwohl es auch dann noch viele Stunden dauern könne, fügt sie hinzu.
Auch der Umgang mit den Emotionen würde im Kurs thematisiert: «Jeder Mensch stirbt anders und jeder Angehörige trauert anders. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Alles darf sein und ist gut so», betont Béatrice Burgener. Oft seien auch Wut, Angst und Hilflosigkeit präsent, vor allem bei den Angehörigen. Die Arbeit in der Hospizgruppe sei jedoch alles andere als nur belastend oder traurig. «Wir werden auch jedes Mal beschenkt», so die Leiterin, «denn uns wird ein solches Vertrauen entgegengebracht, das ist tief berührend.» So habe sie bei einem betagten Ehepaar so viel Vertrauen geschenkt bekommen, dass es sie heute noch begleitet: «Die betagte Frau gab ihrem Mann das Versprechen, ihn zu Hause zu pflegen, solange ihre Kraft reicht.» Da die Frau gewusst habe, dass sie dafür Energie brauche, engagierte sie für die Nacht Béatrice Burgener. «Es war so berührend, dass die Frau im Zimmer nebenan schlafen konnte und sie uns das Vertrauen geschenkt hat, dass auf ihren Mann gut geachtet wird.»
Mit dem Erlebten geht die 66-Jährige ganz bewusst um: «Ich habe mich schon früh mit dem Thema und meinem eigenen Tod auseinandergesetzt.» Auch Weiterbildungen habe sie absolviert, um ihr Wissen zu vertiefen. «Zudem schreibe ich Kurzgeschichten, um das Erlebte besser zu verarbeiten, oder lasse gewisse Situationen bei einer Tasse Kaffee Revue passieren.» Das Thema Tod werde leider in der Gesellschaft oft verdrängt. «Dabei ist es wichtig, mitzuteilen, was man sich für sein Ende wünscht, und dass man sich wertschätzt. Bevor es nicht mehr geht», sagt Béatrice Burgener zum Abschluss.
Von Dominique Thomi
Lade Fotos..