Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Markus Schmid (l.) und Martin Fussen (r.) von der Organisation 1019.ch nahmen vor wenigen Tagen die Spende von Patrick
Meyenberger in dessen Praxis entgegen. Man kennt sich aus gemeinsamen Studienzeiten.
Mit einer aussergewöhnlichen Idee sammelt die Zahnarztpraxis Meyenberger AG aus Wil Edelmetalle aus Zahnersatz und wandelt sie in Hilfe um. So spendete er der Organisation 1019.ch fast 12’000 Franken.
Patrick Meyenberger, Zahnarzt mit eigener Praxis, sammelt seit Jahren Zähne mit Metallfüllungen, -kronen und Prothesen. Diese enthalten häufig Edelmetalle wie Gold oder Palladium. Einmal jährlich lässt er das gesammelte Material in einer Raffinerie aufbereiten und spendet den gesamten Erlös. «Das Material fällt ohnehin an», sagt Meyenberger. «Dann kann man es auch sinnvoll einsetzen.» Letztes Jahr hat sich die Zahnarztpraxis Meyenberger AG entschieden, anstelle eines physischen Geburtstagsgeschenkes 50 Franken pro Teammitglied an die Hilfsorganisation 1019.ch zu spenden. So kam mit den 11’786.10 Franken vom raffinierten Edelmetall ein Betrag von über 12’000 Franken zusammen.
Patrick Meyenberger ist überzeugt, dass sich auch mit kleinen Einzelbeträgen viel bewirken lässt, wie er erklärt: «Ein einzelner Goldzahn bringt je nach Legierung zwischen zehn und 50 Franken ein. Muss einmal ein Zahn gezogen werden, so ist es bei älteren Menschen heute noch häufiger der Fall, dass dieser Zahn früher einmal mit einer metallhaltigen Krone oder Ähnlichem versorgt wurde. Wir sprechen diese betroffenen Patienten darauf an, dass sie uns ihren gezogenen Zahn zur Spende überlassen können.» Rund 99 Prozent stimmen laut dem Wiler Zahnarzt zu und werden so zu Spenderinnen und Spendern der Aktion.
Der Kontakt zur Organisation 1019.ch kam nicht zufällig zustande. In Wil besteht mit der Abbatia Wilensis eine Studentenverbindung, deren Altherrenpräsident Patrick Meyenberger ist. Einer der Altherren, Markus Schmid v/o Ferment, gehört zu den Mitbegründern von 1019.ch. Über diese Verbindung kannten sich Schmid und Meyenberger bereits aus früheren Zeiten, was den Austausch erleichterte und schliesslich zur Zusammenarbeit führte. «Solche Initiativen zeigen, wie aus persönlichem Engagement konkrete Hilfe entstehen kann», sagt Markus Schmid. Auch Martin Fussen von 1019.ch betont die Bedeutung lokaler Beiträge: «Diese Spenden sind wichtig, weil sie kontinuierlich kommen und direkt eingesetzt werden können.» Für Patrick Meyenberger spielte neben der persönlichen Beziehung auch die thematische Ausrichtung der Organisation eine Rolle. Der Krieg in der Ukraine habe ihn stark beschäftigt, sagt er. Zuvor habe er seine Spenden unter anderem Organisationen wie Sea Shepherd zukommen lassen. «Die Nähe des Konflikts und die Berichte aus der Ukraine haben bei mir viel ausgelöst», so Meyenberger.
Die Organisation 1019.ch wurde kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 gegründet. Mitglieder der Studentenverbindung AB Glanzenburger aus Zürich diskutierten die Ereignisse und realisierten, wie nahe der Krieg geografisch tatsächlich ist. Der Name 1019 steht für die Distanz in Kilometern zwischen Zürich und der ukrainischen Grenze. «1019 Kilometer sind nicht weit», sagt Martin Fussen. «Diese Zahl macht deutlich, wie nah das Geschehen eigentlich ist.» Initiiert wurde die Aktion in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Studentenverein, dem mehrere tausend aktive und ehemalige Studierende angehören. Zentrale Werte sind Freundschaft und Solidarität, die bewusst über Landesgrenzen hinaus gedacht werden. Für die Umsetzung arbeitet 1019.ch mit der Organisation «Ukrainehilfe mit Herz» sowie mit der Studentenverbindung Obnova Lviv zusammen, die über direkte Kontakte und gute Kenntnisse der Situation vor Ort verfügt.
Seit März 2022 hat 1019.ch Spenden in der Höhe von über 2,5 Millionen Franken gesammelt. Mit diesen Mitteln wurden Hilfsgüter beschafft und in die Ukraine transportiert. Insgesamt legten die Hilfstransporte bisher mehr als 400’000 Kilometer zurück. Ziel ist es, die Unterstützung rasch und möglichst direkt dorthin zu bringen, wo sie benötigt wird. «Uns ist wichtig, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie gebraucht wird», so Markus Schmid. Für Patrick Meyenberger ist klar, dass er die Sammelaktionen weiterführen will. Es gehe nicht um einzelne grosse Gesten, sondern um konsequentes Handeln über längere Zeit. Dass aus Zahngold konkrete Hilfe für Kriegsbetroffene entsteht, ist für ihn nach eigenen Angaben ein sinnvoller Weg, Verantwortung zu übernehmen.
Lui Eigenmann
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