Ramon Gschwend
fährt in einer 16-tägigen Rallye bis ans Nordkap+.
Der Versuchsteich wurde in den vergangenen Tagen auf dem Gelände Weierwise ausgehoben. z.V.g.
Untersuchungen zeigen: Die Wilerinnen und Wiler müssen sich vom Gedanken eines grossen Badeweihers im geplanten Stadtpark Obere Weierwise verabschieden. Anstelle eines Naturteichs soll nun eine Wasserlandschaft entstehen.
Wil Mit dem Stadtpark Obere Weierwise will die Stadt Wil das Naturerholungsgebiet rund um den Stadtweier erweitern. Im Rahmen des geplanten Projekts sollte im Zentrum der Äbtestadt ein grosser Naturweiher mit Bademöglichkeit entstehen. Detaillierte Baugrund- und Grundwasseruntersuchungen zeigen nun allerdings: Das Projekt lässt sich nicht wie vorgesehen umsetzen.
«Aufgrund der Erkenntnisse aus der nun weiter fortgeschrittenen Planung muss auf den Bau eines grossen Naturweihers mit Bademöglichkeit verzichtet werden», schreibt die Stadt Wil in einer Mitteilung. Der Grund dafür: Unter dem geplanten Weiher befinden sich mehrere kaum wasserdurchlässige Bodenschichten. Diese wirken laut der Stadt zwar wie eine natürliche Abdichtung des Grundwassers, erschweren jedoch gleichzeitig den Bau und den späteren Betrieb des vorgesehenen Naturweihers erheblich. Würde der Boden auf der geplanten Fläche bis zur erforderlichen Tiefe ausgehoben, könnte der Wasserdruck aus dem Untergrund den Baugrund instabil machen und die Baugrube rasch mit Grundwasser füllen. Zudem könnten Veränderungen des Grundwasserspiegels zu Bodensetzungen führen, welche benachbarte Bauwerke wie den Hofbergdamm oder die Badi Weierwise beschädigen könnten.
Anstelle des ursprünglich geplanten grossen Weihers verfolgt die Stadt nun ein angepasstes Konzept. Vorgesehen ist eine Wasserlandschaft mit einem abwechslungsreich gestalteten Verlauf des Krebsbachs, spielerischen Wasserbereichen in Form sogenannter Quelltöpfe sowie flachen Wasserflächen. Aktuell laufen zudem Abklärungen, ob ein kleinerer Naturweiher mit Bademöglichkeit realisiert werden kann. Am Montag begann der Aushub für einen entsprechenden Versuchsteich.
Die IG Weierwisen gehörte bisher zu den Unterstützern des Projekts. Präsidentin Alexandra Stieger-Federer zeigt sich vom Verzicht auf den grossen Weiher jedoch nicht enttäuscht: «Genau dafür ist ein Vorprojekt da. Es ist die Phase der Abklärungen und der Machbarkeitsprüfung, bevor die Umsetzung startet. Der grosse Weiher war eine faszinierende Idee aus dem Wettbewerb. Die technische Machbarkeit war einer von mehreren Punkten, die nach dem Wettbewerb im Vorprojekt vertieft geklärt werden mussten. Dass die Geologie uns hier nun Grenzen setzt, ist kein Fehler, sondern das Resultat einer seriösen und gründlichen Abklärung.» Für die IG Weierwisen zählt laut Stieger-Federer, dass am Ende dieses Prozesses alle Fakten auf dem Tisch liegen. «Darauf basierend können die Stadt und die Bevölkerung einen fundierten und finanziell tragbaren Entscheid fällen», sagt die Präsidentin. Sie ergänzt: «Wir rennen nicht blindlings in ein finanzielles oder technisches Abenteuer, sondern korrigieren den Kurs, sobald neue Fakten vorliegen.» Den Vorwurf, es sei nun Geld verschwendet worden, weist Alexandra Stieger-Federer zurück: «Bisher sind keine Millionen geflossen, sondern lediglich die Kredite für eine sorgfältige Planung. Dieses Geld ist gut investiert, weil es uns vor teuren Fehlern schützt.»
Bestehende Grünräume zu pflegen, sei unbestritten wichtig, so die Präsidentin weiter: «Mit dem Stadtpark Obere Weierwise haben wir die einmalige historische Chance, eine grosse Fläche mitten in der Stadt in einen Naherholungspark für alle Wilerinnen und Wiler zu verwandeln. Eine solche Chance haben nur wenige Städte. Unser Hauptanliegen als IG Weierwisen ist es, diese brachliegende Fläche endlich für die Bevölkerung zugänglich und erlebbar zu machen. Natürlich hätten wir uns den grossen Weiher gewünscht und haben uns stark für die Machbarkeitsprüfung eingesetzt. Aber wir müssen die Realität des Bodens akzeptieren.» Der Park verliere dadurch nicht seine Seele. Er werde nach wie vor ein vielseitiger Erholungsraum mit hoher Lebensqualität, starker Biodiversität und einer attraktiven Wasserlandschaft sein, ist Stieger-Federer überzeugt.
Alexandra Stieger-Federer im Gespräch mit den «Wiler Nachrichten» – das ganze Interview:
Alexandra Stieger-Federer, der Badeweiher war eines der wichtigsten Verkaufsargumente des Projekts. Fühlen Sie sich von den neuen Erkenntnissen überrascht – oder hätte man die Baugrundverhältnisse früher und vor dem politischen Entscheid umfassender abklären müssen?
Genau dafür ist ein Vorprojekt da. Es ist die Phase der Abklärungen und der Machbarkeitsprüfung, bevor die Umsetzung startet. Der grosse Weiher war eine faszinierende Idee aus dem Wettbewerb. Die technische Machbarkeit war einer von mehreren Punkten, die es nach dem Wettbewerb im Vorprojekt vertieft zu klären galt. Dass die Geologie uns hier nun Grenzen setzt, ist kein Fehler, sondern das Resultat einer seriösen und gründlichen Abklärung. Für uns als IG Weierwisen zählt, dass am Ende dieses Prozesses alle Fakten auf dem Tisch liegen. Darauf basierend kann die Stadt und die Bevölkerung einen fundierten und finanziell tragbaren Entscheid fällen.
Kritiker sagen, die Bevölkerung sei mit der Aussicht auf einen Badeweiher für das Projekt gewonnen worden. Ist das Projekt ohne dieses Herzstück überhaupt noch dasselbe, für das Sie sich eingesetzt haben?
Das eigentliche Herzstück des Projekts war und ist eine lebendige, grüne Oase für die wachsende Stadt Wil. Unser Hauptanliegen als IG Weierwisen ist es, diese brachliegende Fläche endlich für die Bevölkerung zugänglich und erlebbar zu machen. Natürlich hätten wir uns den grossen Weiher gewünscht und haben uns stark für die Machbarkeitsprüfung eingesetzt. Aber wir müssen die Realität des Bodens akzeptieren. Zudem ist die Idee eines (kleineren) Badeweihers noch nicht vom Tisch. Genau deshalb wird der Versuchsteich angelegt. Der Park verliert dadurch nicht seine Seele, er wird nach wie vor ein vielseitiger Erholungsraum mit hoher Lebensqualität, starker Biodiversität und einer attraktiven Wasserlandschaft sein. Eine Parklandschaft mit kleineren Gewässern war für uns immer auch eine denkbare Variante. Eine entsprechende Skizze war, zusammen mit der Variante der Widerherstellung des grossen Äbtischen Weihers, bereits Teil der Stadtpark-Motion von 2014.
Sie sind Mitglied des Steuerungsausschusses. Tragen Sie Mitverantwortung dafür, dass die geologischen Risiken erst jetzt – in einer fortgeschrittenen Planungsphase – erkannt wurden?
Im Steuerungsausschuss tragen wir die Verantwortung dafür, dass das Projekt sorgfältig, transparent und nach klaren fachlichen Kriterien geplant wird. Genau das ist hier passiert. Geologische Untersuchungen brauchen Zeit und bauen aufeinander auf. Sobald die Expertinnen und Experten die Risiken klar benannt haben, haben wir im Ausschuss die entsprechenden Konsequenzen gezogen. Wir rennen nicht blindlings in ein finanzielles oder technisches Abenteuer, sondern korrigieren den Kurs, sobald neue Fakten vorliegen.
Die Stadt spricht nun von einer "Wasserlandschaft" statt eines grossen Naturweihers. Ist das eine inhaltliche Verbesserung oder schlicht eine kommunikative Umschreibung dafür, dass ein zentrales Versprechen nicht eingehalten werden kann?
Nein, das ist keine reine Wortkosmetik, sondern eine ehrliche Anpassung an die Natur. Ein grosser, künstlicher Weiher, der nur mit massivem technischem und finanziellem Aufwand gegen den Untergrund abgesichert werden müsste, macht keinen Sinn. Eine naturnahe Wasserlandschaft mit potentiell kleinerem Badeweiher hingegen arbeitet mit den geologischen Gegebenheiten. Wir klären aktuell ab was machbar ist, um der Bevölkerung im Herbst ein konkretes Bild der Wasserlandschaft geben zu können.
Mit dem Versuchsteich soll nun geprüft werden, ob wenigstens ein kleiner Badebereich möglich ist. Besteht die Gefahr, dass damit bei der Bevölkerung erneut Hoffnungen geweckt werden, die sich am Ende nicht erfüllen?
Wir wecken keine falschen Hoffnungen, sondern schaffen maximale Transparenz. Der Versuchsteich ist ein pragmatischer, wissenschaftlicher Weg, um unter realen Bedingungen zu testen, was vor Ort tatsächlich funktioniert. Statt der Bevölkerung leere Versprechungen zu machen oder das Baden voreilig ganz abzuschreiben, gehen wir den Dingen auf den Grund. Im Herbst werden wir die Fakten haben und dann wissen wir auch genau was geht und was nicht.
Falls auch ein kleiner Badeweiher nicht realisierbar sein sollte: Würden Sie das Projekt in seiner jetzigen Form trotzdem weiterhin unterstützen – oder müsste dann grundsätzlich über die Planung nachgedacht werden?
Ein Neustart würde an den geologischen Tatsachen des Bodens absolut nichts ändern – er würde uns lediglich Jahre an Zeit und viel Geld für neue Planungen kosten. Der Stadtpark Obere Weierwise ist so viel mehr als nur ein Badeweiher. Er bringt schattige Bäume gegen die Sommerhitze, Spiel- und Begegnungsorte für Familien, Ruhezonen und Raum für Biodiversität. Wil braucht diesen Park heute lieber als morgen. Zudem ist das Projekt so konzipiert, dass es Raum lässt für weitere Entwicklungen und sich der Park mit der Bevölkerung mitentwickeln kann. Es wäre unverantwortlich, dieses Generationenprojekt wegen einer geologischen Hürde komplett zu beerdigen, oder weitere Jahre auf Eis zu legen.
Die Baugrunduntersuchungen zeigen auch Risiken für den Hofbergdamm und die bestehende Badi Weierwise. Hätte der Schutz dieser bestehenden Infrastruktur nicht von Anfang an stärker gewichtet werden müssen?
Der Schutz der bestehenden Infrastruktur stand für uns alle von Anfang an an oberster Stelle. Als sich zeigte, dass ein grosser Weiher die Stabilität des Damms oder die benachbarte Badi gefährden könnte, war sofort klar, dass das Risiko zu gross ist.
Wie gross ist Ihre Sorge, dass die Projektanpassungen zu Mehrkosten führen und das Parlament beziehungsweise die Bevölkerung am Ende deutlich mehr bezahlen müssen als ursprünglich erwartet?
Die Risiken für unvorhergesehene Mehrkosten sind durch diesen Entscheid sogar deutlich gesunken. Ein technisch komplexer grosser Badeweiher auf instabilem Baugrund wäre ein finanzielles Risiko für die Stadt gewesen. Indem wir uns jetzt auf eine naturnahe Wasserlandschaft und die Möglichkeit eines kleineren Badeweihers konzentrieren und die Planung mit einem Versuchsteich absichern, planen wir bodenständig und budgetschonend. Wir wollen einen Park, der begeistert, aber das städtische Budget nicht überstrapaziert.
Es gibt Stimmen, die sagen, man hätte die Millionen besser direkt in die Aufwertung der bestehenden Badi oder anderer Grünräume investiert. Was entgegnen Sie diesen Kritikern heute?
Hier muss man die Fakten richtigstellen. Bisher sind keine Millionen geflossen, sondern lediglich die Kredite für eine sorgfältige Planung. Dieses Geld ist gut investiert, weil es uns vor teuren Fehlern schützt. Bestehende Grünräume zu pflegen ist unbestritten wichtig. Mit dem Stadtpark Obere Weierwise haben wir die einmalige, historische Chance, eine grosse Fläche mitten in der Stadt in ein Naherholungspark für alle Wilerinnen und Wiler zu verwandeln. Eine solche Chance haben nur wenige Städte.
Nach diesem Rückschlag: Was ist aus Ihrer Sicht heute noch das überzeugendste Argument für den Stadtpark "Obere Weierwise" – gerade gegenüber Bürgerinnen und Bürgern, die sich auf einen grossen Badeweiher gefreut hatten?
Da gibt es viele Argumente. Der Stadtpark Obere Weierwise macht Wil lebenswerter und attraktiver. Er fördert Bewegung, Begegnung und Gesundheit, stärkt die lokale Identität und steigert den Wert des Wohn- und Arbeitsstandorts. Mit seiner Vielfalt aus Natur, Kultur, Wasser und Gemeinschaft, sowie der Möglichkeit, dass sich der Park mit der Bevölkerung mitentwickelt ist er ein Generationenprojekt. Damit setzt Wil ein starkes Zeichen für nachhaltige Stadtentwicklung. Der neue Park ist ein Gewinn – heute und in Zukunft.
Lui Eigenmann/Linda Bachmann
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