Cornelia Scheiwiller
stellt das Konzertprogramm 2026 im Kloster Fischingen vor.
Peter Haas (l.) und Thomas Plattner bedauern die Schliessung der Talentschule Musik in Jonschwil sehr.
Für Thomas Plattner und Peter Haag ist es ein schmerzlicher Abschied: Die Talentschule Musik in Jonschwil wird 2028 geschlossen. Mangelnder Rückhalt, organisatorische Hürden und geringe Schülerzahlen machten den Weiterbetrieb unmöglich.
Jonschwil Die Talentschule Musik in Jonschwil ist die jüngste von sechs Talentschulen im Kanton St.Gallen. Aktuell besuchen sechs Schülerinnen und Schüler die Schule. Sie werden die letzten sein, die ihren Abschluss an der Jonschwiler Talentschule für Musik machen. «Das Interesse nimmt stetig ab», sagt Peter Haag, Präsident der Bildungskommission der Gemeinde Jonschwil. «Hinzu kommt, dass mit dieser geringen Anzahl an Jugendlichen der Aufwand und der Ertrag nicht mehr übereinstimmen.» Aus diesem Grund hat der Gemeinderat entschieden, die Musikschule per Sommer 2028 zu schliessen.
«Es ist enttäuschend, dass die Ta-lentschule über all die Jahre nicht mehr Anklang fand», sagt Thomas Plattner, Gründer der Talentschule und Schulleiter des Oberstufenzentrums Degenau. Damit sei vor allem der fehlende Rückhalt der Musikschulen gemeint. «Nach einer Umfrage in Musikschulen der Region erhielt ich oft die Antwort: ‹Die Talentschule ist zwar ein Mehrwert, die Förderung von Talenten aber kein vordringliches Bedürfnis›», so Plattner. «Lange hatten Musiklehrer Angst, durch die Talentschule ihre Schülerschaft zu verlieren», erklärt Peter Haag. Jedoch sei das Gegenteil der Fall: «Die Jugendlichen müssen durch die Talentschule das Hauptfach Musik doppelt belegen. Somit hätte das für die Lehrer keinen Unterschied, im Gegenteil, sogar einen Mehrwert bedeutet.» Thomas Plattner betont: «Die Philosophie ‹Qualität vor Quantität› hat sich seit der Gründung nicht verändert.» Entgegen aller Gerüchte, ergänzt Peter Haag, habe die Talentschule stets nur Jugendliche aufgenommen, die den anspruchsvollen Aufnahmetest bestanden hatten. «Eine Jury aus drei Berufsmusikern hat das Augenmerk bei der Auswahl auf die Qualität gerichtet», bestätigt Plattner.
«Die Musik hat in unserer Gesellschaft leider nicht den gleichen Stellenwert wie der Sport», bedauert der Schulleiter. Dies könne daran liegen, dass die Musik nicht so einfach messbar sei: «Im Sport gibt es klare Zielsetzungen, wie beispielsweise eine Strecke von 100 Metern in einer bestimmten Zeit zu laufen. In der Musik gibt es solche konkreten Ziele nicht.» Die Talentschule habe ihren Stufentest, um das Können der Jugendlichen einzuordnen, dieser sei jedoch nicht mit einem Sportziel vergleichbar. Zudem brauche es in der Musik auch sehr viel Engagement in der Freizeit. «Bei vielen Sportarten reicht die Anwesenheit im Training», so Thomas Plattner, «beim Beherrschen eines Instruments bedarf es täglicher Übung.»
Die Idealvorstellung, verrät Plattner, wäre eine Talentklasse von etwa 10 bis 14 Schülerinnen und Schülern gewesen. «So hätte man eine spezielle Talentförderklasse einrichten und einen Stundenplan erstellen können, der am Morgen die regulären Fächer und am Nachmittag die Musikfächer umfasst», sagt er. «Mit aktuell nur sechs Jugendlichen ist der Stundenplan schwer zu organisieren», erklärt Plattner. Erschwerend komme die Verfügbarkeit der Musiklehrpersonen hinzu, die bei der Talentschule nur ein Kleinstpensum unterrichten würden. «Es war jedes Jahr ein Kampf», betont Peter Haag, «organisatorisch und auch finanziell.» Denn der Präsident der Bildungskommission Geschäftsleitung weiss: «Damit die Talentschule selbsttragend ist, brauchen wir mehr als acht Schülerinnen und Schüler. Sind es weniger, ist sie finanziell nicht tragbar.»
«Wir sind zu viel zum Sterben und zu wenig, um zu überleben», fasst Thomas Plattner die Situation zusammen. Fakt ist: Es wird keine neuen Aufnahmeprüfungen mehr geben. «Die jetzigen Schülerinnen und Schüler können ihre Ausbildung abschliessen. Danach ist die Schule Geschichte», erklärt Haag. «Es macht keinen Sinn, etwas weiterzuführen, bei dem Aufwand und Ertrag nicht stimmen», ergänzt Plattner nüchtern. «Wir beide haben in dieses Projekt zehn Jahre lang unser Herzblut gesteckt», betont Haag. «Da tut es auf jeden Fall weh, dass es nun zu Ende geht», ergänzt Plattner.
Von Dominique Thomi
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