Walter Gysel
stellt den Chor Mundo Unido im WN-Vereins-Domino vor.
Der Gemeinderat von Jonschwil will die Zahl der Sonderurlaubstage für Schulkinder stark erhöhen. Gegen diese Entscheidung haben die Mitte und die SVP Jonschwil das Referendum ergriffen.
Jonschwil «Wir haben in der Schweiz die Schulpflicht. Somit kennen wir 39 Schulwochen und 13 Ferienwochen für Schülerinnen und Schüler», sagen Martha Storchenegger (Die Mitte) und Bruno Scheiwiller (SVP). Die beiden Vertreter der Jonschwiler Ortsparteien sind der Meinung: «Eine grosse Ausdehnung der Sonderurlaubswochen über die Schulzeit ist unsozial und benachteiligt einige Familien.» Darum haben sie das Referendum ergriffen. Denn der Gemeinderat hat den zweiten Nachtrag zum Reglement über Absenzen, Urlaub und Dispensation für die Schülerschaft beschlossen. Somit wären neu während der Schulpflicht bis zu 50 zusätzliche Schultage – umgerechnet zehn Urlaubswochen – möglich. «Die grosse Erweiterung von zehn Tagen auf zehn Wochen hat unsere Ortsparteien zu diesem Schritt bewogen», sagen die Parteivertretungen. Weiter sind sie der Meinung, dass nicht alle Erziehungsberechtigten die Weiterführung des Schulunterrichts nach Lehrplan garantieren könnten.
Der Nachtrag sei keine Neuerfindung, sagt Peter Haag, Schulpräsident und Mitglied des Gemeinderats. «Die Schulgemeinden stehen hierzu schon längere Zeit im Erfahrungsaustausch und Gemeinden wie Mosnang, Kirchberg oder Flawil erlauben bereits heute Abwesenheiten von mehreren Monaten.» Mit dem aktuellen Reglement, so Haag, muss jede Familie nachweisen, dass die Kinder während eines längeren Aufenthalts vor Ort stationär beschult werden. «Das ist realitätsfern, da Lehrpläne vieler Länder stark vom Lehrplan 21 abweichen und Unterrichtsstrukturen oder schulische Verfügbarkeiten häufig nicht mit den schweizerischen Vorgaben kompatibel sind.» Der Nachtrag schaffe klare, faire und praktikable Grundlagen für jene wenigen Fälle, in denen Familien für begrenzte Zeit auf flexible schulische Lösungen angewiesen seien, betont Peter Haag. Schon heute erreiche die Schule Gesuche für längere Absenzen, etwa im Zusammenhang mit beruflichen Absenzen oder familiären Situationen, die sich mit dem aktuellen Reglement nicht rechtskonform bewilligen liessen, weiss der Schulpräsident. «Da das Reglement keine Grundlage bot, entstand ein Zustand von Einzelfallentscheidungen», so Haag. Diese sollen nun klar definiert und durch allgemeingültige Kriterien ersetzt werden.
«Die Regelung ist sozial unausgewogen», so die beiden Ortsparteien. «In der Praxis können vor allem Eltern mit pädagogischen Kompetenzen die geforderten Ziele gut erreichen», führt Bruno Scheiwiller aus. «Eine Bewilligung setzt voraus, dass der Urlaub pädagogisch begründet ist und dass die Lernziele während der Abwesenheit trotzdem erreicht werden können», sagt Haag. Die Ziele würden durch die Lehrperson mit den Eltern besprochen und Lernmaterial bereitgestellt. Zudem, so der Schulpräsident, könne der Sonderurlaub nur einmal während der gesamten Volksschulzeit gewährt werden. «Jedes Gesuch wird sorgfältig überprüft», betont Peter Haag. Durch die strenge Regelung sehe der Gemeinderat die Wahrung des Schulbetriebs als gewährleistet und willkürliche Ausnahmen würden so verhindert. «Verbindliche und überprüfbare Kriterien stärken die Chancengleichheit», sagt der Schulpräsident.
Lehrpersonen, so fürchten die Ortsparteien, würden durch die Regelung Mehraufwand haben. «Sei es in der Vorbereitung oder das Nachlernen für Schülerinnen und Schüler», gibt Martha Storchenegger zu bedenken. Dem widerspricht Gemeinderatsmitglied Peter Haag: «Der Gemeinderat rechnet weder mit erheblichen organisatorischen noch mit finanziellen Mehrbelastungen.» Da der Sonderurlaub nur in wenigen Fällen genutzt werde und die Hauptverantwortung für die Lernorganisation bei den Eltern liege, entstünden für die Gemeinde keine zusätzlichen Kosten. Die Ortsparteien sehen die Teilnahme und regelmässige Präsenz im Unterricht als zwingend notwendig an: «Zu den Ressourcen der Schweiz gehört unser Bildungssystem, dem sollten wir weiter hohe Beachtung schenken», sagen die Parteivertreter. Die Schule sehe eine Chance darin, dass Kinder in besonderen Lebenssituationen wertvolle Erfahrungen machen können, stellt Haag klar. «Solche Erfahrungen ergänzen das Lernen im Klassenzimmer sinnvoll, wenn sie verantwortungsvoll geplant werden.» Risiken bestünden dort, wo Eltern wenig Ressourcen für die Lernbeteiligung mitbrächten oder ungenügend vorbereitet würden.
Von Dominique Thomi
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